Bericht

Inge Graichen

Windräder: dezentrale Stromerzeugung vor Ort

Veranstaltung des „Aktionsbündnisses für Bürgerwindräder im Landkreis Traunstein“

„Ohne Nutzung der Windenergie auch in Bayern wird die Energiewende nicht zu bewerkstelligen sein. Wenn die Bürger nicht wollen, dass Großinvestoren die besten Standorte in Beschlag nehmen, müssen die Bürger die Errichtung und den Betrieb von Windkrafträdern selbst in die Hand nehmen“, formulierte Georg Huber, der Sprecher des neu gegründeten „Aktionsbündnisses für Bürgerwindräder im Landkreis Traunstein“ die Kernaussage der ersten Veranstaltung der Organisation in Obing.Dass das funktionieren kann, machte Kienbergs zweiter Bürgermeister Peter Ober deutlich. Peter Ober ist Aufsichtsratsvorsitzender der „Bürgerenergie Kienberg eG“, die gegründet wurde, um eine 1-Megawatt-Photovoltaik-Freiflächenanlage im Gemeindegebiet zu errichten und zu betreiben. Er berichtete, wie die Kienberger zu ihrer Genossenschaft gekommen waren: „Des könnt ma eigentli selber a packa“ sei die Überlegung gewesen, als klar geworden war, dass die Firma SunPlan die Photovoltaik-Freiflächenanlage nur projektieren und bauen würde, dann aber an einen Betreiber verkaufen. Mit viel Überzeugungsarbeit gelang es Peter Ober und einigen Mitstreitern mit schließlich 104 Genossenschaftsmitgliedern ausschließlich aus Kienberg den nötigen 25-prozentigen Eigenkapitalanteil aufzubringen und die Photovoltaik-Anlage in Haslreit zu übernehmen. „Ich bin froh, dass wir es gemacht haben“, so Peter Ober. Und er sieht in der Genossenschaft den Keim für weitere Projekte. Denn für die meisten Beteiligten sei nicht die Verzinsung der dominante Punkt, sondern das Bewusstsein „das ist unseres“ und das Ziel, sich „für die Klima- und Energiezukunft zu engagieren“. Peter Ober zeigte sich überzeugt, dass das genossenschaftliche Modell auch für die Errichtung und Betreibung von Windkraftanlagen passe.Jürgen Oberhauser, Betreiber der ersten Windkrafträder nicht nur im Landkreis Traunstein, sondern bayernweit, stellte weitere Möglichkeiten vor, Bürger aus der betroffenen Region an Errichtung und Ertrag zu beteiligen. In Schnaitsee und Palling laufe das Ganze in der Gesellschaftsform der OHG unter seiner Geschäftsführung, in Schnaitsee bereits 17 Jahre mit Unterstützung von 142 Familien, in Palling mit 126 Anteilseignern. Nachbarn der Windräder wurden insofern bevorzugt, dass sie mit einem niedrigeren Anteil mitmachen konnten als andere Mitbetreiber.Martin Geisenberger, Projektentwickler bei den Stadtwerken München, stellte ein weiteres Modell der Bürgerbeteiligung dar, wie es von den Stadtwerken München verfolgt wird. Dabei bilden die Stadtwerke eine Projektgesellschaft mit der Kommune, auf deren Gebiet künftig ein Windkraftrad stehen soll. Die Kommune kann bis zu 51 Prozent der Anteile an der Gesellschaft erwerben und entweder selber behalten oder an Bürger verteilen. Die Stadtwerke München halten mindestens 49 Prozent der Anteile und übernehmen die technische und kaufmännische Geschäftsführung. Der Einfluss der Bürger sei hier sicher geringer, so Geisenberger, der Vorteil für die Gemeindebürger sei, dass die Stadtwerke das gesamte Risiko schon ab Projektierung übernähmen.Die Mehrheit der rund 200 Versammlungsteilnehmer sah augenscheinlich in der dezentralen Stromerzeugung vor Ort durch Windkrafträder große Chancen, auch für Bürgerbeteiligung – diese Sichtweise konnte man nach der Veranstaltung mit einem grünen Punkt bei den entsprechenden Aussagen auf einer Tafel manifestieren. Eine starke Gruppe von Gegnern der Windkraftnutzung in der schönen oberbayerischen Landschaft legte den Schwerpunkt der Kritik auf die ihrer Ansicht nach mangelnde Rentabilität von Windkrafträdern in Bayern. Jürgen Oberhauser erläuterte, man könne grundsätzlich mit einer angemessenen Rendite rechnen, doch sei es Entscheidung der Anteilseigner, wie viel Ausschüttung, wie viel Abzahlung der Anlage sei. Das Risiko von Verlusten beispielsweise durch große Reparaturen sei durch Herstellergarantien und Versicherungen minimiert, aber eine Garantie für eine bestimmte Rendite über die gesamte Laufzeit könne kein Wirtschaftsunternehmen auf der ganzen Welt geben.Einer der Schnaitseer Miteigner wunderte sich sehr darüber, dass die Leute, die der Nutzung der Windenergie in der Region skeptisch gegenüber stehen, sich so sehr um das Geld der anderen sorgten. Martin Geisenberger von den Stadtwerken München erklärte, dass durch technische Verbesserungen die Nutzung der Windenergie nach Meinung der Stadtwerke München heute so wirtschaftlich sei, dass sie in eine Reihe von Projekten investieren wollten. Verbesserungen gebe es durch höhere Nabenhöhen, größere Rotoren, aber auch verbesserte Formen der Rotorblätter.Der Sprecher des „Aktionsbündnisses für Bürgerwindräder im Landkreis Traunstein“ Georg Huber zeigte sich überzeugt, dass man durch ausreichende Information erreichen könne, dass in naher Zukunft die Bürger zu den Bürgermeistern hingehen und sagen:“Wir wollen ein Windrad in unserer Gemeinde.“

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